Stories
Liest du meinen Geschmack?
Eine imaginierte Begegnung an der Bar: LOLA will wissen, ob Luca ihren Geschmack lesen kann – und merkt, dass gute Gastfreundschaft mit Zuhören beginnt.
LOLA Stories · Eine imaginierte Begegnung
Luca hört sie, bevor er sie sieht.
„Du hast da einen Platz für mich freigelassen.“
Er hebt den Blick. In der offenen Terrassentür steht eine Frau, als hätte sie den warmen Abend mitgebracht. Sie betrachtet die Bar, die bereitgestellten Gläser, dann ihn.
„Ich habe noch gar nicht geöffnet“, sagt er.
„Dann habe ich dich ja genau im richtigen Moment erwischt.“
Sie kommt näher. Auf dem Tresen stehen drei Flaschen: Orange, Lemon und Lime. Ihr Blick bleibt kurz an den Etiketten hängen, als würde sie alte Bekannte begrüßen.
„Wir kennen uns übrigens schon“, sagt sie.
Luca schaut von den Flaschen zu ihr.
„LOLA?“
„In Person.“ Sie zieht den freien Hocker ein Stück zurück. „Heute möchte ich herausfinden, ob du Geschmack lesen kannst.“
Erst ein Glas Wasser
Luca legt sein Tuch beiseite und deutet auf ihre leichte Jacke. „Darf ich?“
„Du darfst fragen“, sagt LOLA.
Sie reicht ihm die Jacke mit einem Lächeln. Er hängt sie an den Haken neben dem Hocker, in ihre Reichweite. Dann stellt er ein Glas Wasser vor sie.
LOLA hebt das Glas ein wenig an. „Du lässt dir Zeit.“
„Du bist gerade erst angekommen“, sagt er.
Sie dreht das Glas zwischen den Fingern. „Andere hätten mir längst erzählt, was ich unbedingt probieren muss.“
„Vielleicht möchtest du erst einmal sitzen.“
LOLA setzt sich. „Gut beobachtet.“
Luca bleibt auf der anderen Seite der Bar. Nah genug für ein Gespräch, mit genügend Abstand, damit sie entscheiden kann, ob sie eines führen möchte.
„Und jetzt?“, fragt sie.
„Jetzt interessiert mich, worauf du Lust hast.“
Was du nicht magst
„Du kennst meine süße Seite“, sagt LOLA. „Reicht dir die?“
„Für eine Empfehlung? Noch nicht.“
„Anspruchsvoll.“
„Neugierig“, sagt Luca.
Sie lehnt sich ein wenig vor. „Ich habe drei Seiten, Luca. Die süße bemerkt man nur zuerst.“
„Und die anderen?“
„Mal ein bisschen bitter. Mal sauer. Und manchmal einfach frisch.“
Er stützt sich leicht auf den Tresen. „Dann frage ich lieber, welche heute hier sitzt.“
„Vielleicht möchte ich überrascht werden.“
„Dann verrat mir etwas, das du nicht magst.“
LOLA hebt eine Augenbraue. „So fängst du an?“
„Damit ich weiß, welchen Spielraum ich habe. Überraschungen dürfen ruhig zu dir passen.“
Sie lässt sich einen Moment Zeit. „Zu süß. Wenn von allem anderen nichts mehr übrig bleibt.“
Luca nickt. „Das hilft mir.“
„Und wenn ich einfach nur etwas Frisches bestelle?“, fragt sie.
„Dann würde ich nachfragen: zitronig, sprudelnd, kühl? Das Wort kann vieles bedeuten.“
„Du machst es dir nicht besonders leicht.“
„Du sollst deinen Geschmack beschreiben können, ohne dafür meine Karte auswendig zu lernen.“
LOLA schaut ihn etwas länger an. „Du hörst wirklich zu.“
„Du gibst dir schließlich Mühe mit deinen Antworten“, sagt er.
Eine Serviette im Wind
Auf der Terrasse hebt der Wind eine Serviette an. Luca geht hinaus, legt einen kleinen Teller darauf und kommt zurück.
„Machst du das mit jedem?“, fragt LOLA.
„Servietten beschweren?“
„So aufmerksam sein.“
Er lächelt. „Auf unterschiedliche Weise. Manche Gäste wollen über jede Zutat sprechen. Andere haben sich seit Monaten nicht gesehen. Die brauchen vor allem Zeit füreinander.“
„Und du weißt sofort, wer was möchte?“
„Ich kann mich irren. Deshalb frage ich lieber kurz, statt mir eine ganze Geschichte über jemanden auszudenken.“
LOLA wirft einen Blick auf die drei Flaschen. „Mir werden ziemlich viele Geschichten angedichtet.“
„Dann erzähl heute deine eigene.“
Sie legt eine Hand auf den Tresen. „Vielleicht bleibe ich dafür noch ein bisschen.“
Luca lässt die Pause stehen. Zum ersten Mal hat LOLA nichts hinzuzufügen.
Überraschungen dürfen ruhig zu dir passen.
Platz auf dem Tisch
Ihr Blick wandert über die geordneten Gläser und die vorbereiteten Zitrusfrüchte.
„Alles griffbereit“, sagt sie. „Und wenn ich dich einmal zu mir einlade? Mit drei Freunden. Was bringst du mit?“
„Fragen“, sagt Luca. „Was ihr gern trinkt, zum Beispiel. Dann kühle ich etwas vor, stelle Gläser bereit, ein paar kleine Snacks. Wasser und eine alkoholfreie Möglichkeit gehören für mich dazu.“
„Keine ganze Cocktailkarte, um mich zu beeindrucken?“
„Eine Zubereitung, die ich gut kenne, und eine Alternative. Ich möchte mit euch am Tisch sitzen und nicht fünfmal den Faden verlieren, weil ich etwas suche.“
LOLA lacht. Ausnahmsweise kommt ihre Antwort schneller als ihr Blick. „Das könnte funktionieren.“
„Außerdem bleibt dann Platz auf dem Tisch.“
„Wofür?“
„Für eure Hände. Das Brot. Alles, was während eines Abends seinen Platz wechselt.“
Beim nächsten Mal
Luca nimmt ein Glas vom Regal. LOLA beobachtet jede seiner Bewegungen.
„Und wenn mir deine Empfehlung nicht gefällt?“, fragt sie.
Er stellt das Glas ab. „Dann möchte ich es wissen. Zu bitter? Zu süß? Oder hattest du dir etwas ganz anderes vorgestellt?“
„Du würdest mir nicht erklären, warum ich falschliege?“
„Ich kann erklären, was ich mir dabei gedacht habe. Ob es dir schmeckt, entscheidest du.“
„Auch wenn mir gestern noch etwas anderes gefallen hat?“
„Auch dann. Ich würde dich beim nächsten Mal wieder fragen.“
„Du planst schon ein nächstes Mal?“
Jetzt muss Luca lachen.
Von draußen sind Stimmen zu hören. Zwei Gäste bleiben an der Terrassentür stehen. Luca begrüßt sie, zeigt ihnen einen Tisch und kommt noch einmal an die Bar zurück. Er schiebt die Flasche Lime ein Stück in ihre Richtung.
„Für später“, sagt er. „Frisch. Mit einer Säure, die nicht untergeht.“
LOLA betrachtet die Flasche, dann ihn. Diesmal versteckt sie ihr Lächeln nicht.
„Du hast mich gelesen.“
„Du hast es mir leicht gemacht.“
„Das habe ich nicht“, sagt sie. „Kümmere dich um deine Gäste, Luca.“
Er nimmt die Karten und geht zur Terrasse. Als er sich noch einmal umsieht, sitzt sie immer noch da.
„Ich habe noch Zeit“, sagt sie.
Für deinen nächsten Abend: Frag nach Vorlieben, lass Raum für eine ehrliche Antwort und bereite so viel vor, dass du deinen Gästen Aufmerksamkeit schenken kannst. Das funktioniert an der Bar genauso wie am eigenen Tisch.
Mehr dazu liest du in unseren Artikeln „Süß, bitter oder sauer: Welcher Aperitif passt zu dir?“ und „Aperitif zu Hause: 7 Tipps für Drinks, Snacks und einen schönen Abend“.
Und wer wirklich hinter LOLA steht, erzählen wir in „Drei Tage Saint-Tropez: Die Menschen hinter unserem ersten LOLA-Shooting“.